kurious ist das Online-Journal für die tägliche Dosis Kultur. Der Mindset: Neugierig, hungrig und offen. Mit dieser Einstellung stürzen Ann Mbuti und ich uns in das kulturelle Angebot um uns herum. Wir besuchen Ausstellungen, gehen an Vernissagen, verbringen Abende im Theater, an Performances oder Lesungen, frequentieren so oft wie möglich Kinos, forsten uns durch die Bücherlandschaft und shaken an Konzerten. Auf kurious teilen wir unsere Erfahrungen und Gedanken dazu, auf dass unsere Aufbruchsstimmung andere mitreisst.

Textproben:

Auszug aus dem Beitrag A Thirst for Miracles von Odysseus Elytis (17. Juli 2017)
[…] Doch wie lässt sich dieses Warten mit unserer heutigen Leistungsgesellschaft vereinen? Das Warten auf den Zug, auf eine Email oder auf die Antwort eines Callcenter Mitarbeiters, während man in der Warteschlaufe festhängt. Das sind Dinge, die wohl kaum als angenehm wahrgenommen werden. Geschweige denn als ein Bereitsein für den richtigen Augenblick, für das Leben. Warten gilt als passiv, und nicht als aktive Teilhabe. Warten wird “erlitten”. Hat der Mensch überhaupt Zeit zum Warten?

Warten lässt sich schwer mit der heutigen Leistungsgesellschaft vereinen. Doch das liegt eher an der Fehlüberlegung, dass Produktivität schnell gehen muss. Das äussert sich auch an den kurzsichtigen Entscheidungen, die in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft getroffen werden. Beispiel Wirtschaft: Ein Manager bleibt durchschnittlich maximal 5 Jahre an der Spitze eines Unternehmens. Das heisst, er wird für seine Entscheidungen diesen Zeithorizont als Referenzwert nehmen, denn nur so lange muss er vor den Eigentümern Rechenschaft ablegen können. Alles, was danach kommt, muss der Nächste mit ähnlich kurzsichtigen Entscheidungen wie ein Sisyphos hinterherräumen und “managen”. […]

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Auszug aus dem Beitrag Women. Und wieder einmal Picasso (du Arsch?) (08. März 2019)
[…] Das Porträt von Madeleine steht in der Phase des Übergangs von Blau zu Rosa. Fast vier lange und schmerzvolle Jahre sind diesem Werk vorausgegangen, die Picasso gebraucht hat, um den Selbstmord seines besten Freundes Carles Casagemas zu überwinden. Der Grund für sein Begehen: Die unerwiderte Liebe einer Frau. Dieser tragische Verlust liess Picasso wohl in eine tiefe Depression versinken. Casagemas’ Tod ist ein wiederkehrendes Motiv seiner damaligen Werke und er konnte einfach nicht anders, als in Blautönen zu malen. Eine Katastrophe, denn seine Werke liessen sich nicht verkaufen, was ihn an die Existenzgrenze trieb. Madeleines Zartheit schien den Künstler endlich von seiner Wehmut zu befreien vermögen. Man erkennt, ja, man spürt förmlich die Liebe, Zuneigung und sanfte, sexuelle Anziehung, die der Künstler zu Madeleine gespürt haben muss. Man weiss nicht viel über Madeleine, ihre Identität ist nicht bekannt. Sie hätte mit Picasso ein Kind bekommen, liess es jedoch abtreiben und entschwand in die Tiefen der Geschichte, zu der wir nie Zugriff haben werden. Es muss Picasso aber zutiefst getroffen haben, denn obschon er bereits mit Fernande eine Liebesbeziehung eingegangen war, die bis 1912 andauern sollte, malte er zahlreiche Mutter-und-Kind Sujets. Just zu der Zeit, als das Kind mit Madeleine zur Welt hätte kommen sollen.

Ab 1906 entwickelte Picasso radikal die Bildsprache des Primitivismus. Auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten malte er fast ausschliesslich Frauenakte und löste sich dabei zusehends von seinem früheren Werk. Es ging ihm nicht mehr darum, Gefühle darzustellen, sondern neue Formen zu erproben. Er reduzierte seine Suche auf das Archaische und das Unnahbare. Er wendete sich, anders gesagt, den existenziellen Fragen des menschlichen Daseins zu und verliess die unendlich schmerzvollen Weiten der Essenz. Das muss, meiner Meinung nach, ein bewusster Entscheid von Picasso gewesen sein. Ein Entscheid, der auf all den Erfahrungen und damit verbundenen Gefühlen basierte. Er hat, in meinen Augen, nicht auf-, jedoch nachgegeben. […]    

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